Sollten sich Hunde von jedem streicheln lassen dürfen?

Hund im Park

Hund im Park

Gehen wir diese Frage gleich erst mal aus einer anderen Perspektive an: Sollten sich Menschen von jedem streicheln lassen dürfen? Darauf kennt bestimmt jeder die richtige Antwort.

Sicher, Hunde sind keine Menschen, aber es sind Lebewesen mit hoher Intelligenz und Sensibilität. Ihre kognitiven Fähigkeiten übersteigen die Fähigkeiten der meisten anderen Säugetiere, gerade auch der Katzen, der berühmte „Extrapolationstest“ weist dies eindrucksvoll nach. Wer beispielsweise schon mal probiert hat, eine Katze gegen ihre aktuelle Laune zu streicheln, kennt den juckend-beißenden Schmerz scharfer Krallen.

Hunde sind bereits seit Jahrtausenden treue Begleiter und Freunde des Menschen. Ihre vielseitige Rolle als Beschützer, Jäger, treuer Freund, Therapeut oder Spielkamerad gibt ihnen ganz eindeutig das Recht, von uns mit gebührendem Respekt behandelt zu werden. Daher muss Regel Nr. 1 für jeden Menschen im Umgang mit einem fremden Hund lauten: Erst mal den Hundehalter fragen, ob der Hund überhaupt gestreichelt werden darf.

Allerdings wird (zurecht) auch eine Art „artiges Benehmen“ des Tieres gegenüber den Menschen erwartet mit allen rechtlichen Konsequenzen. Dazu sollte man wissen, dass Hunde sehr soziale Tiere sind und es gewohnt sind, im Rudel zu leben. In die menschliche Gesellschaft eingezwängt, bedeutet das Rudel für den Hund sein Besitzer und dessen Familie, und damit tragen wir die Verantwortung für die Erziehung und Sozialisation des Hundes. Also müssen wir unserem Hund alle richtigen Verhaltensregeln gegenüber anderen Menschen und auch gegenüber anderen Tieren beibringen.

Wann sollte ein Hund Streicheleinheiten ertragen?

Darf ich dich streicheln?

Darf ich dich streicheln?

Abgesehen vom spezifischen Einsatzbereich des Hundes, sollte das Tier schon eine gewisse Toleranz anderen Menschen gegenüber haben.

Wachhunde oder die Hunde, die beim Zoll oder Polizeidienst zum Einsatz kommen, sind verständlicherweise keine „Schmusekätzchen“, das versteht sich von selbst. Allerdings ist es für den Hund innerhalb einer Familie (Rudel) von existenzieller Bedeutung, im Rahmen seiner Erziehung auch mal durch Streicheln Bestätigung seines richtigen Handelns zu erfahren.

In der Familie des Hundes (das ist aus seiner Sicht sein Rudel) soll es aber ganz normal sein, dass ein Hund gestreichelt wird, das ist sogar notwendig für seine gute Entwicklung. Gerade bei Familien mit Kindern muss die Toleranzgrenze des Hundes naturgemäß deutlich höher sein. Allerdings braucht jeder Hund seinen Bereich, wohin er sich bei Bedarf zurückziehen kann und in Ruhe gelassen wird.

Auch an die „erweiterten Familienmitglieder“ wie Bekannte und Verwandte, die das Tier mal streicheln dürfen, kann der Hund langsam gewöhnt werden. Gerade Hunde reagieren sehr sensibel auf das Verhalten und die Ausstrahlung von Menschen. Wenn Du zum Beispiel die Schwiegermutter nicht magst, erwarte dann keine besondere Zuneigung des Hundes zu ihr.

Wie viel Streicheln ein Hund ertragen kann, hängt auch von der Rasse ab. Eine Aufgabe des speziell gezüchteten Bernhardiners ist Rettung von Menschen im Lawinenfall. Dazu gehört nicht nur die Auffindung des verunglückten Menschen, sondern auch ihn sogleich warm zu halten bis zur Ankunft der Retter. Auch der lustige, verspielte Cocker Spaniel erträgt in der Regel schnell den Kontakt zu fremden Menschen. Aber es gibt eben auch viele Rassen, die grundsätzlich nicht zu Kuscheltieren bestimmt sind.

Das gilt nicht nur für Listenhunde, sondern gerade auch für die so beliebten Kleinen im „Handtaschenformat“. Sie sind sehr empfindsam und beißen öfter mal aus Angst, denn wegen ihrer geringen Größe befinden sie sich eigentlich immer im Stress. Es obliegt also immer dem Hundebesitzer, auf eine artgerechte und auch respektvolle Haltung seines Tieres zu achten und die richtige Entscheidung darüber zu treffen, was und wie viel dem Hund zugemutet werden kann.


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